Eine Amazon-Bestellung ist nicht abgeschlossen, wenn das Paket das Lager verlässt, sondern wenn Amazon die Versandbestätigung mit Versanddienstleister und Sendungsnummer erhalten hat. Bis dahin gilt die Bestellung bei Amazon als offen, auch wenn die Ware längst in der Zustellung ist. Diese Meldung ist ein API-Aufruf, und ausgelöst wird er entweder von Ihrem ERP oder von einem Menschen, der Nummern abtippt.
Die Frist setzt Amazon – und zwar je Bestellung
Jede Bestellung kommt mit einem eigenen spätesten Versanddatum. Das ist keine Empfehlung und kein internes Ziel, sondern die Zusage, die Amazon dem Käufer in Ihrem Namen gegeben hat. Dieses Datum muss von der Bestellung bis auf die Odoo-Lieferung durchgereicht und in der Kommissionierung sichtbar sein, denn im Lager zählt die Reihenfolge der Fristen, nicht die des Bestelleingangs. Wer nach Eingang kommissioniert, ist bei den eiligen Bestellungen zu spät und bei den unkritischen zu früh.
Was passiert, wenn Sie zu spät bestätigen
Amazon misst zwei verschiedene Dinge und bewertet sie getrennt: Sendungen, die nach der Frist bestätigt werden, und Sendungsnummern, die sich nicht verfolgen lassen. Die genauen Schwellenwerte veröffentlicht Amazon in Seller Central unter Kontozustand und passt sie gelegentlich an – schauen Sie also dort nach und nicht in einem Blogartikel. Stabil ist die Folge: Die Kennzahl verschlechtert sich, Käufer können kostenlos stornieren, und wenn es anhält, wird die Verkaufsberechtigung eingeschränkt.
Bei FBA lesen Sie den Status, bei FBM melden Sie ihn
Das ist die häufigste Verwechslung. Bei FBA bestätigen Sie gar nichts: Amazon kommissioniert und versendet, die Sendungsnummer entsteht in deren System, nicht in Ihrem. Hier brauchen Sie den umgekehrten Weg – den Status nach Odoo holen, damit die Lieferung sauber abgeschlossen wird und nicht zwei Wahrheiten nebeneinander stehen. Bei FBM ist es andersherum: Sie versenden, und Sie melden – fristgerecht. Wer beide Modelle kombiniert, erledigt beides parallel mit demselben Katalog, und deshalb muss jede Bestellung von der ersten Sekunde an wissen, zu welchem Typ sie gehört.
Wenn Sie über FBA verkaufen, ist der Versandstatus nur ein Teil des Problems: Bestand, Retouren und Erstattungen bewegen sich im Amazon-Lager, ohne dass Sie selbst Hand anlegen. Ausführlich dazu: Amazon FBA in Odoo.
Der Carrier-Code entscheidet, ob die Sendungsnummer zählt
Amazon akzeptiert im Feld für den Versanddienstleister nicht jeden beliebigen Text: Es gibt eine eigene Liste von Carrier-Codes, und die Sendung wird über genau den Code verfolgt, den Sie melden. Schicken Sie die richtige Nummer mit dem falschen Versanddienstleister oder mit einem generischen „Sonstige“, existiert die Sendungsnummer zwar, Amazon kann sie aber nicht verfolgen – für die Kennzahl zählt sie damit nicht. Die Zuordnung zwischen Ihrem Odoo-Versanddienstleister und dem Amazon-Code gehört deshalb in eine explizite, pflegbare Tabelle und nicht als fest verdrahtete Zeichenkette in den Quellcode.
Wo Versand-Connector und Marktplatz-Connector zusammentreffen
Der gemeinsame Punkt ist die Lieferung. Die saubere Reihenfolge lautet: Die Bestellung kommt mit Amazon-Referenz und Frist herein, wird kommissioniert, die Lieferung wird validiert, der Carrier-Connector fordert das Label an und gibt die Sendungsnummer zurück – und erst dann meldet der Amazon-Connector die Bestätigung mit dieser Nummer und dem passenden Code. Dreht man die Reihenfolge um, bestätigt man Sendungen, für die es noch kein Label gibt. Fehlt die Verbindung ganz, tippt jemand Nummern ab, und dieser Jemand vertippt sich an einem Dienstagnachmittag.
Der Fehler, den wir bei fremden Integrationen am häufigsten finden, sitzt genau dort: Die Bestätigung läuft im Hintergrund, schlägt fehl – die API antwortet mit einem Fehler, das Token ist abgelaufen, der Versanddienstleister hat zu lange für die Nummer gebraucht – und niemand merkt es, weil die Odoo-Lieferung längst validiert und grün ist. Die Bestätigung muss auf der Bestellung eine Spur hinterlassen: gemeldet, fehlgeschlagen, erneut versucht, samt der Antwort von Amazon. Ein Job, der still scheitert, ist schlimmer als gar keine Anbindung, weil er obendrein falsche Sicherheit vermittelt.
Eine Bestellung, zwei Pakete
Teillieferungen sind der Fall, auf den sich fast niemand vorbereitet. Verlässt eine Bestellung das Lager in zwei Sendungen, erwartet Amazon zwei Bestätigungen mit ihren Positionen und Mengen – nicht eine mit der Nummer des ersten Pakets. In Odoo sind das zwei Lieferungen zum selben Verkaufsauftrag, die Zuordnung muss also je Position erfolgen und nicht je Bestellung. Von Anfang an richtig gebaut kostet das wenig – zweihundert falsch bestätigte Bestellungen nachträglich zu korrigieren dagegen viel.
Wann sich die Automatisierung lohnt – und wann nicht
Wenn Sie zehn Bestellungen am Tag versenden und sie in fünf Minuten von Hand in Seller Central bestätigen, brauchen Sie dafür keine Anbindung, sondern eine Routine und eine Erinnerung. Automatisierung lohnt sich, wenn das Abtippen zur Arbeit geworden ist, wenn mehrere Versanddienstleister im Spiel sind oder wenn derselbe Katalog an mehreren Stellen verkauft wird und niemand mehr weiß, was schon raus ist. Ihnen etwas anderes zu erzählen hieße, Ihnen etwas zu verkaufen, das Sie nicht brauchen.
Der Amazon-Connector für Odoo deckt genau diesen Ablauf ab: Zuordnungstabelle für Versanddienstleister, Bestätigung je Position mit Sendungsnummer, Meldestatus und letzte Amazon-Fehlermeldung direkt auf der Lieferung, automatische Wiederholversuche und bei FBA das Einlesen des Status statt des Meldens. Er läuft unter Odoo 17, 18 und 19. Die Carrier-Connectoren finden Sie im Modulkatalog, und wie man sie ohne Überraschungen aufsetzt, steht in Etiketten und Sendungsverfolgung in Odoo (auf Englisch).
Häufige Fragen
Wie oft meldet Odoo an Amazon, dass die Bestellung raus ist?
Direkt beim Validieren der Lieferung; was dabei hängen bleibt, versucht eine geplante Aktion alle paar Minuten erneut. Wiederholversuche nur einmal pro Stunde sind riskant: Diese Stunde geht von der Frist ab.
Kann ich ohne Sendungsnummer bestätigen?
Amazon lässt das in bestimmten Fällen zu, doch die Sendung gilt dann als ohne gültige Sendungsverfolgung – und auch das wird gemessen. Gibt der Versanddienstleister eine Nummer aus, sollte sie mit dem passenden Carrier-Code gemeldet werden.
Funktioniert das auch mit einem fremden Carrier-Connector?
Ja, solange er Versanddienstleister und Sendungsnummer auf der Lieferung hinterlässt. Verknüpft wird genau dort; das Carrier-Modul muss nicht angefasst werden.
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